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Open
Space Konferenz
Ich konzipiere, gestalte und moderiere Konferenzen mit Hilfe
der Open Space
Methode. Dabei handelt sich um ein revolutionäres Konferenzmodell,
das
verblüffend einfach ist, zu unerwarteten Durchbrüchen
führt und erstaunliche
Ergebnisse hervorbringt. Nach meinen Erfahrungen schafft es
"Raum" für neue
Ideen, für ein selbstbestimmtes Arbeiten, für weitreichende
Lernerfahrungen
und nicht zuletzt für jede Menge Spaß und Begeisterung.
Open
Space oder die Kunst Kaffeepausen zu organisieren
Open
Space ist eine Methode zur Selbstorganisation von Gruppen
(20 - 1000 Teilnehmer). Sie entstand aus der Beobachtung heraus,
dass die eigentlich wichtigen und guten Ideen bei Tagungen,
Konferenzen und Seminaren häufig in den "Pausen"
entstehen.
Um
das Potential einer Open Space Konferenz zur vollen Entfaltung
zu bringen, sind speziell drei Dinge wesentlich:
1.
ein für alle Beteiligten bedeutsames Thema
2. Vertrauen in die beteiligten Personen
3. eine professionelle Unterstützung für die Gestaltung
des Rahmens.
Die
Teilnehmer gestalten auf dieser Basis ihre eigene Agenda.
Diese kann im Laufe der Konferenz durchaus Änderungen
erfahren.
Eine
Dokumentation der Ergebnisse wird begleitend erstellt. Sie
macht den Workshop und jede Idee nachvollziehbar. Sie wird
den Teilnehmern am Ende der Konferenz mit auf den Heimweg
gegeben.
Harrison
Owen, ein amerikanischer Organisationsberater, hatte Anfang
der achtziger Jahre diese Idee. Vorgegeben sind ein einfacher
Rahmen und eine zeitliche Struktur. Die wichtigsten Akteure
sind die Teilnehmer, die individuell oder als Gruppe verantwortlich
für den Inhalt, den Lernprozess, die Kommunikation, die
Kultur der Konferenz und letztlich für das Ergebnis sind.
Der
zeitliche Rahmen beträgt im Idealfall drei Tage. Die
Konferenz sollte nicht weniger als einen Tag dauern. Bei einer
dreitägigen Konferenz finden täglich vier Einzelsession
von ca. 1,5 Stunden in kleineren Gruppen statt. Ein wichtiges
Prinzip lautet: "Wer immer kommt, ist gerade die richtige
Person". Es wird angenommen, dass gerade derjenige der
aus freier Entscheidung teilnimmt, der bereit ist, sich einzulassen,
neugierig auf das Thema ist und oder ihm das Thema unter den
Nägeln brennt.
Und das soll funktionieren? - Probieren Sie es aus !
Open-Space
im Detail
Die
Durchführung (nach Owen 1995)
Die Konferenz beginnt mit der gesamten Gruppe, im Kreis sitzend.
An der Wand hängen die Regeln für die Konferenz
gut sichtbar und werden kurz erläutert. Harrison Owen
erzählt dann in seinen Eröffnungen über "die
Idee" des Open Space, als einen Raum, in dem "High
Learning" stattfindet. Ein Raum voller Möglichkeiten,
in dem jeder die Freiheit und die Möglichkeit hat, aber
auch die Verantwortung, seinen persönlichen Beitrag zum
Gesamtthema einzubringen.
Die
Teilnehmer werden sozusagen eingeladen, eine eigene Thematik,
für die sie ein besonderes Engagement empfinden oder
was ihnen "unter den Nägeln brennt" öffentlich
einzubringen, indem sie es auf ein Blatt Papier schreiben,
verkündigen und dann an die "Informationswand"
mit Namen, Zeit und Raumangabe hängen. Nachdem alle,
die ein Thema einbringen wollten dies verkündet und an
die Wand gehängt haben, wird der "Marktplatz eröffnet".
Nun gehen die Konferenzteilnehmer zu der "Informationswand"
und entscheiden zu welchen der angebotenen Themenkreise sie
gehen möchten. Falls sich für ein spezifisches Thema
niemand interessiert, wird der Initiator selbst ein anderes
Thema vorschlagen oder es allein bearbeiten oder sich einer
anderen Gruppe anschließen. Auf diese Art und Weise
ist jeder Teilnehmer potentiell Initiator, Referent oder Mitglied
einer Gruppe. Bei einer dreitägigen Konferenz hat somit
jeder die Chance in zehn verschiedenen Themenkreisen mitzuwirken,
sowohl als Zuhörer, Referent oder Experte für spezifische
Fragen.
Nach Abschluss der Agenda, beginnt die Arbeit in den gebildeten
Themenkreisen. Die Arbeit vollzieht sich in der Regel im verbalen
Dialog, es können aber auch kreative Techniken wie malen,
Pantomime etc. genutzt werden. Die Arbeitssitzungen dauern
etwa 90 Minuten, jeweils zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag.
Ist eine Gruppe nicht fertig geworden, so kann das Thema in
der nächsten Sitzung fortgesetzt werden. Im Idealfall
sollten viele Räume für Kleingruppen und informelle
Plätze wie Terrassen, Garten, Cafe etc. zur Verfügung
stehen.
Am Ende des Tages kommen die Kongressteilnehmer zu einem Informationsaustausch
zusammen und am Morgen jedes Tages wird die Agenda im großen
Kreis ergänzt und modifiziert.
Nur
wenige Regeln bestimmen den Ablauf
"Das Gesetz der zwei Füße". Es erlaubt,
dass jeder Teilnehmer eine Arbeitsgruppe oder Interaktion
verlassen darf, wenn er das Gefühl hat, in dieser Situation
nichts zu lernen oder nichts beitragen zu können. Diese
Regel ermöglicht die Mitbestimmung über Inhalt und
Form. Man geht einfach weg. In der "Open Space"
Kultur ist dies nicht nur akzeptiert, sondern erwünscht.
Damit ist jeder Teilnehmer selbst verantwortlich für
die Effizienz für sich und andere. Es gibt die "Hummeln"
und die "Schmetterlinge". Hummeln nehmen sich die
Freiheit von Gruppe zu Gruppe zu fliegen, sich zu vertiefen
und eventuell befruchtend zu wirken. Schmetterlinge fliegen
ebenfalls von Thema zu Thema aber vertiefen sich nicht wirklich,
sondern verkörpern Leichtigkeit und Spaß und entwickeln
oft kreative Situationen. Die Hummeln und Schmetterlinge sind
durch ihre Teilnahme an vielen verschiedenen Gruppen auch
Träger von Informationen des Gesamtprozesses.
Open Space funktioniert nach vier Richtlinien:
1.
Wer immer kommt, ist gerade die richtige Person.
2. Was auch geschehen mag, es ist das einzige was geschehen
kann.
3. Wann immer es beginnt, ist es die richtige Zeit.
4. Vorbei ist vorbei.
Dies
sind die Regeln, die sichtbar aufgehängt werden und selbsterklärend
sind. Die Erklärung des Ablaufs für die Teilnehmer
kann in aller Kürze geschehen, wichtig ist jedoch die
Schaffung einer Kultur von Sicherheit und Vertrauen in Raum
und Zeit. An diesem Punkt wird ein Open Space besonders spannend
für die Begleiter, die große Unsicherheit und Unruhe,
das Gefühl nicht zu wissen wozu man eigentlich da ist
und was nun zu machen ist. Die ersten stellen ihr Anliegen
vor, danach ist das Eis gebrochen. Die Konferenz nimmt ihren
Selbstlauf im Rahmen des geöffneten Ortes und der Zeit.
Die Open Space Konferenz wird immer mit allen Teilnehmern
in der Gesamtgruppe in einem Reflexionsprozess abgeschlossen.
In der Abschlussrunde kann jeder Teilnehmer einen Kommentar
abgeben.
Dokumentation
Die Referenten der Arbeitsgruppen werden gebeten, in einem
vorbereiteten Protokoll die Ergebnisse der Arbeitsgruppe kurz
zu protokollieren. Die Protokolle aller Themengruppen werden
zum Schluss vervielfältigt und jedem Teilnehmer ausgehändigt,
als Ergebnis-grundlage für weiterführende Arbeiten.
Implementierung
und Weiterentwicklung
Die im Ergebnis erzielten Hinweise ermöglichen es dem
Individuum und der Organisation insgesamt, die dokumentierten
Aktionsschritte zu ordnen und zu implementieren, hierbei übernehmen
meistens die "Einberufer" oder Leiter einer Arbeitsgruppe
weiterhin die Führung, da sie sich oft am stärksten
mit dem Thema identifizieren. In den turbulenten Zeiten einer
Veränderung in einer Organisation kann eine professionelle
Hilfe von außen (Katalysator) sinnvoll sein.
Die
Aufgabe des Begleiters
Nach Owen ist seine Aufgabe als Konferenz-Leiter "Raum
und Zeit" zu kreieren und zu halten. Er soll nicht in
irgend einer Weise in den Prozess eingreifen. Der Begleiter
muss sozusagen unsichtbar sein und sich dennoch im Hintergrund
in Bereitschaft halten. Diese Aufgabe bedarf einer langen
und intensiven psychischen und emotionalen Vorbereitung. Denn
auch für den professionellen Begleiter ist OST immer
wieder ein Wagnis, in das er sich mit hohem Vertrauen auf
sich selbst, die Gruppe und die Gesetze des Universums einlassen
muss. Nach Owen gibt es nur einen einzigen Weg des Misserfolgs,
das ist der Versuch die Kontrolle auszuüben (Owen 1995).
Die
Leistungen von Open Space Technology
Die Leistungen der Methode haben sowohl quantitativen als
auch qualitativen Charakter. Die Dokumentation der einzelnen
Themengruppen als Aktionsplanung weisen ein messbares Ergebnis
vor. Durch die Selbstorganisation und Verantwortung in den
verschiedenen Themengruppen kommt es zu einer qualitativen
Veränderung in der Organisationskultur. Diese Veränderung
geschieht in der Regel schnell und wird individuell von den
Teilnehmern und kollektiv von allen Beteiligten getragen.
Open Space ist Unterstützer des sich schnell und eng
bildenden Gemeinschaftsgefühls, dadurch werden Risikobereitschaft,
Lernen und Innovation in Eigenverantwortung und für das
Ganze ermöglicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die angestoßenen
Projekte (Themen) weitergeführt werden ist sehr hoch.
Gemeinsame Visionen finden eine Plattform und werden durch
Kommunikation mit den Interessierten weiterentwickelt, auch
das Aufarbeiten von Problembereichen wird nicht vernachlässigt
sondern findet oftmals erstmalig ernsthafte Zuhörer.
Dennoch ist der Blick auf zukunftsorientierte Aktionsplanungen
gerichtet.
Wirkung
auf die Teilnehmer
Auch hier wurden erstaunlicherweise die Werte, der Prozess
sowie die Atmosphäre und Kultur des Open Space-Ereignisses
eher benannt als die Ergebnisse der verschiedenen Arbeitsgruppen.
Kollektives Wissen wurde eingebracht. Die Selbstorganisation
führte zur Annahme von Verantwortung für sich und
die Gemeinschaft. Die Bereitschaft, mit Mut und Ehrlichkeit
(hier auch innerhalb verschiedener Sozialschichten) zu kommunizieren
erzeugte unter den Teilnehmern schnell eine "Lernende
Gemeinschaft in Aktion".
Anwendbarkeit
und Grenzen
Open Space kann in fast allen Organisationen zur Anwendung
kommen. Sie ist am effektivsten für Organisationen, die
sich in einer kritischen Veränderungsphase befinden z.
B. aus einer bürokratisierten, nur schwerfällig
funktionierenden Zeit in eine Phase radikaler Erneuerungen.
Ein "nicht-funktionieren" von Open Space tritt ein,
wenn man den Prozess in irgendeiner Weise kontrollieren möchte,
sei es durch den Begleiter oder die Firmenleitung oder durch
die Schulleitung. Dann werden Kreativität, Verantwortungsbewusstsein,
Empowerment und Gemeinschaftsgeist reduziert. Deshalb kann
Open Space nicht erfolgreich sein in der Anwendung auf sehr
spezifische Fragestellungen. Open Space ist nur dann einzusetzen,
wenn eine Methode gefragt ist, die mit der geringsten Strukturvorgabe
und dem Höchstmaß an Selbstorganisation ein Ziel
verfolgt. Es sollte ein vom ganzen System getragener, grundsätzlicher
"Durchbruch" der Organisationskultur erwünscht
sein. Dies kann die Implementierung von neuen Prozessen und
Innovationen bedeuten.
Das
Erlebnis
Open Space ist zum "Wohlfühlen", für die
meisten Teilnehmer. Sie fühlen sich voller Energie und
in unbeschreiblicher Weise "transformiert". Kaum
zu erklären. Die theoretischen Modelle "Komplexer
Systeme" oder die "Dynamische Systemtheorie"
wären zu Erklärungen heranzuziehen. Dennoch ist
es derzeit nicht möglich diese "Wohlfühlprozesse"
in der Realität zu messen, da es nur unvollständige
Modellerklärungen gibt um qualitative Veränderungen
im Lernen, der Kreativität und Transformation, d. h.
der dynamischen Parameter, zu beschreiben. Am besten ist es,
an einer Open Space Konferenz teilzunehmen und sich dieses
Erlebnis zu gönnen.
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